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Skitourenpotential in Tirol

Weißeneckscharte - © Theresa Leitner
Wie kann das Skitourenpotential im freien Skiraum in Tirol ideal genutzt werden? Ziel der Studie "Skitourenpotential in Tirol" ist die Sichtbarmachung und Analyse von Reise- und Konsummustern der SkitourengeherInnen.

Als Sportart erfreut sich das Skitourengehen in Tirol wachsender Beliebtheit, die wissenschaftlichen Studien zu dem Thema beschränken sich hingegen oftmals auf begrenzte geografische Räume oder spezifische Fragestellungen. Das Ziel dieser Studie ist daher eine erstmalige Sichtbarmachung und Analyse von Reise- und Konsummustern von SkitourengeherInnen.

Die Grundlage

Als Grundlage für die Studie dient eine umfassende Literaturanalyse, eine Markt- und Potentialanalyse mit der Deutschen Sporthochschule Köln zum Quellmarkt Deutschland, eine Analyse des bestehenden Angebotes zum Skitourengehen auf den TVB-Websites in Tirol und die Identifikation und Beschreibung verschiedenster Skitourentypen auf der Basis einer Vor-Ort-Befragung und Online-Datenerhebung im Frühjahr 2018.

Die Ergebnisse

Als Auszug aus den Ergebnissen der Studie gehen wir in diesem Artikel auf zwei Gegenüberstellungen ein. Zum einen der Vergleich zwischen Gelände- und PistentourengeherInnen und zum anderen zwischen Tagesausflügler und Urlaubsgäste.

 

Gelände- vs. PistentourengeherInnen

Die Motive der Gelände- und PistentourengeherInnen unterscheiden sich statistisch gesehen signifikant. Während für PistentourengeherInnen der Gesundheits- und Fitnessaspekt sowie soziale Bedürfnisse und Ausgleich/Stressabbau im Mittelpunkt stehen, sind es bei GeländetourengeherInnen das Landschafts- und Naturerlebnis sowie Ruhe und Erholung. Einzig beim Punkt "Sportliche Herausforderung" konnte kein signifikanter Unterschied festgestellt werden. Während sich die GeländetourengeherInnen eher nach dem Gipfel sehnen, ist für die meisten PistentourengeherInnen die Hütte das Ziel. Mit 24 Touren (im Vergleich zu 16 Touren) führen die GeländetourengeherInnen außerdem bei den durchschnittlichen Touren pro Saison, ebenso wie bei den Tagesausgaben (20,44€ bei GeländetourengeherInnen im Vergleich zu 14,40€ bei den PistentourengeherInnen).

Wie in Abbildung 1 zu sehen, gibt es auch bei den sozio-demografischen Merkmalen Unterschiede. Während sich das durchschnittliche Einkommen und Alter nur geringfügig unterscheiden, überwiegen bei den GeländetourengeherInnen die Männer mit 71,4%. Bei den PistentourengeherInnen ist das Verhältnis mit 50,8% männlich und 49,2% weiblich hingegen ausgeglichener.

Gelände- vs PistentourengeherInnen Skitourenpotential

Abbildung 1: GeländetourengeherInnen vs PistentourengeherInnen

Was ist den SkitourengeherInnen am wichtigsten? 

Bei der Wahl einer Destination zum Skitourengehen spielen verschiedene Pull-Faktoren eine Rolle. Als Pull-Faktoren versteht man angebotsseitige Faktoren, die SkitourengeherInnen schätzen und oft als entscheidendes Kriterium für die Wahl einer Skitour gelten. Auch hier zeigen sich zwischen GeländetourengeherInnen und PistentourengeherInnen wieder Unterschiede. Die Schönheit der Landschaft (Punkt 1 in der Abbildung 2 unten) ist für beide Gruppen der wichtigste Faktor. Im Gelände sind zudem die Naturbelassenheit, unverspurter Schnee und wenig Leute wichtig. Auf der Piste schätzen die SportlerInnen die Infrastruktur sowie die gute Erreichbarkeit der Gebiete.

Pullfaktoren Skitourenpotential

Abbildung 2: Pull-Faktoren für Gelände- & PistentourengeherInnen

Tagesgast vs Urlaubsgast

Wie in Abbildung 3 illustriert, gibt es auch zwischen dem Urlaubsgast und Tagesausflügler Unterschiede bei der Zielgruppe der SkitourengeherInnen.

Der Urlaubsgast ist vorwiegend männlich (69,7%), 41 Jahre alt und verfügt über ein monatliches Nettohaushaltseinkommen von über 3.000 € (Median). Er ist Mitglied im Alpenverein und bei seinem Skitourenverhalten sehr sicherheitsbewusst. Über seine Tour entscheidet er zumeist drei und mehr Tage vorher (48.3%). Er geht bis zu 30 Touren pro Saison, vorwiegend im Gelände (84%) und übernachtet meist auf einer Schutzhütte (45.3%) oder im 1-3* Bereich (13%). Er bleibt 2-3 Tage in der Region (45%).

Der Tagesgast ist ebenfalls überwiegend männlich (64.2%) und im Schnitt 38 Jahre alt und verfügt über ein monatliches Nettohaushaltseinkommen von 2.500 bis 3.000 € (Median). Er sucht den Gipfelsieg, geht aber auch gerne über die Piste auf eine Hütte oder Alm. Je nach Art der Tour zeigt er sich sehr sicherheitsbewusst und ist Mitglied im Alpenverein.

Tagesgast Urlaubsgast Profil Skitourenstudie

Abbildung 3: Profile - Tagesgast vs Urlaubsgast

Auch bei den Ausgaben unterscheidet sich die Gruppe der Tagesausflügler wesentlich von der Gruppe der Urlaubsgäste. Der Vergleich bezieht sich auf SkitourengeherInnen mit mindestens einer Übernachtung (=Urlaubsgast) und die Tagesausflügler, die am selben Tag wieder nach Hause fahren. Die Werte in Abbildung 4 entsprechen dem Mittelwert in den Kategorien Par und Bergführer. Ohne Anreise und Bergführer kommen die Tagesgäste für Fahrtkosten, Parkplatz, Essen & Getränke, Seilbahntickets, Leihgebühren und sonstige Ausgaben auf durchschnittliche Ausgaben von 12,50€ pro Person/Tag fund auf Urlaubsgäste auf 37,22€.

Tagesausgaben Tagesausflügler, Urlaubsgast, Skitourenpotential

Abbildung 4: Vergleich der Tagesausgaben von Tagesausflüglern und Urlaubsgästen

In einer Nebenstudie im Rahmen einer Masterarbeit am MCI Tourismus wurden zudem Faktoren speziell zum Thema Hüttenaufenthalt abgefragt. Wovon träumen SkitourengeherInnen wenn sie an die perfekte Hütte denken?

Wichtigkeit der Angebotsfaktoren auf Hütten

Abbildung 5: Wichtigkeit der Angebotsfaktoren auf Hütten

Fazit

Die verstärkte Produktentwicklung udn die entsprechende touristische Vermarktung des Skitourengehens im freien Gelände in Tirol zu weiteren ökologischen Konflikten führen könnte, aber durch die Vermarktung an sich aus das individuelle "Erlebnis Skitour" gefährdet werden könnten. Natürliche Faktoren wie Schönheit der Landschaft und Schneesicherheit sind zudem nicht beeinflussbar. Das Pistentourengehen als Zusatzangebot in Skigebieten hingegen bietet noch tagestouristisches Potential.

 

FH-Prof. Mag. Hubert Siller

Forschungsschwerpunkt
Leadership/Führung, Tourismus- und Destinationsentwicklung, Internationale Wintersportmärkte
Position bzw. Aufgabe
Leiter MCI Tourismus

Hubert J. Siller, ist Fachhochschul-Professor und langjähriger Leiter des Department für Tourismus- & Freizeitwirtschaft (MCI Tourismus) am MCI Management Center Innsbruck. Seine aktuellen Forschungs- und Beratungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Leadership/Führung, Tourismus- und Destinationsentwicklung sowie internationale Wintersportmärkte. Hubert Siller begleitet Persönlichkeiten, Unternehmen und Institutionen aus der Tourismus- & Freizeitwirtschaft in strategischen Fragenstellungen.

"Life is a mountain, not a beach."

Im TTR Team seit: November 2006

Zuständig für: Strategie & Konzeption

Dr. Mag. Tanja Hörtnagl

Forschungsschwerpunkt
Tourismusökonomie & Volkswirtschaftslehre
Position bzw. Aufgabe
Lektorin

Jannes Bayer MA

Forschungsschwerpunkt
Sporttourismus, Nachhaltigkeit
Position bzw. Aufgabe
Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Monica Nadegger MA

Forschungsschwerpunkt
Digital Research Methods, Communicative Constitution of Organization, Smart Destinations, Social Media, Winter sports tourism
Position bzw. Aufgabe
Doktorandin

Nach dem Bachelorstudium „Journalismus und PR“ an der FH Joanneum in Graz und dem Master in „Sport-, Kultur- und Veranstaltungsmanagement“ an der FH Kufstein startete Monica Nadegger Ende 2018 am MCI Tourismus und zeitgleich das PhD Studium Management an der Universität Innsbruck. Nach knapp 4 Jahren im Online-Marketing beim TVB Innsbruck als Leiterin des Blog-Redaktionsteams und Social Media Manager und als Mitglied des Doktoratskollegs „Organizing the Digital“ vereint sie am TTR ihr Interesse für Wissenschaft, Tourismus und digitale Kommunikation.

„Als Wissenschaftsplattform für den Tiroler Tourismus schafft ttr.tirol nicht nur eine Schnittstelle für Wissenschaft und Praxis, sondern versucht, Daten und Inhalte aufzubereiten und verständlich und ansprechend darzustellen."

Im TTR Team seit: Anfang 2019

Zuständig für: Content Strategie und Produktion, Website, Social Media

Bernhard Poscher

Forschungsschwerpunkt
Datenvisualisierung & Content Strategie
Position bzw. Aufgabe
Mediendesign

Bernhard hat seinen Bachelor Intermedia an der Fachhochschule Vorarlberg absolviert. Seine Leidenschaft gilt dem Design, seiner Kamera, und der Videoproduktion. Danach sammelte er Berufserfahrung beim Start-up WeDesignTrips und produzierte Videos für Bodhi Surf+Yoga S.A. in Costa Rica. Seit Feber 2019 unterstützt Bernhard das TTR Team im Bereich Datenvisualisierung, Social Media Strategie und Videoproduktion. 

“All things need time. Good things also need right pacing". 

Im TTR Team seit: Februar 2019

Zuständig für: Mediendesign, Content Strategie & Produktion, Datenvisualisierung