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Virtual & Augmented Reality

Wie verändern diese Technologien den Tourismus?
Source: Patrick Schneider - Unslplash
Während einige Virtual & Augmented Reality für einen Hype halten, schreitet diese Technologie stetig voran und verändert unsere Konsumgewohnheiten und -erfahrungen. Für touristische Anbieter könnten VR & AR komplett neue Perspektiven entwickeln, um den Gast der Zukunft auf neuer Art und Weise vom immateriellen Tourismusprodukt zu überzeugen.

Eines der Stichwörter der letzten Jahre im Bereich der Digitalisierung war vielleicht die sogenannte Datenbrille. Eine große Zukunft für VR & AR verspricht sich Mark Zuckerberg's Facebook. In kaum eine andere Technologie investiert Facebook mehr und spricht der Technologie die Fähigkeiten zu, grundlegende, gesellschaftliche Probleme lösen zu können. Mit VR & AR möchte Facebook den Menschen mehr Freiheit von physischen Grenzen geben.

Nach wie vor steckt dessen Anwendung in den Kinderschuhen. Ebenso im Tourismus. Hier würden sich aber Möglichkeiten bieten, den Gast vorab in die Destination eintauchen zu lassen um ihn vor der Reise zu inspirieren und mit dem Angebot der Region vertraut zu machen. Datenbrillen könnten Prospekte ersetzen und als digitaler Reiseführer fungieren. Googles Business Einträge, 360° Fotos und Videos sind erst der Anfang des sogenannten „Tourismus 3.0“. Virtual Reality kann dem Gast somit die Skepsis vor der nächsten Reise nehmen. Die Reisen lassen sich besser erklären und einfacher präsentieren.

Wie unterscheiden sich jedoch die beiden Begriffe Virtual und Augmented Reality?

Quelle: Magic Holo

Während VR den Kunden virtuell an fremde Plätze bringt, liefert AR kontextbezogene Informationen. AR liefert die Informationen auf dem Bildschirm des Smartphones, zum Beispiel sieht man mit AR nicht nur ein Gebäude auf dem Bildschirm sondern auch Informationen wie z.B. Besucherzeiten, Bauzeit, Preise, etc. Dem Kritikpunkt, dass Gäste das Interesse am „echten“ Reisen in eine Destination verlieren könnten, stehen mehrere Argumente gegenüber. Wie z.B. dass Gäste sich durch virtuelles Reisen von neuem inspirieren lassen, neue Interessen finden, aber auch Orte finden, wo sie offline dem Online-Stress entfliehen können. Auch der Content in der digitalen Welt ändert sich dahingehend, dass das Smartphone eine tragende Rolle einnimmt. Videos im Web werden langfristig den TV ersetzen. Vor allem bei 18-24 Jährigen explodieren die Nutzungsstatistiken bei Videos im Web im Vergleich zum Fernsehen.

Wofür wird Virtual Reality im Tourismus bereits eingesetzt?

Viele Destinationen und Tourismusanbieter nutzen bereits virtuelle 360° Videos. Hier zum Beispiel ein Video von der Super-G Strecke in Kitzbühel, Samsung Surf in Tahiti, oder das Lufthansa Video New York in 360°. Der Vorteil dieser 360° Videos ist, dass der Kunde die Möglichkeit hat, in eine Welt einzutauchen, die weitaus intensiver und emotionaler ist. Ein weiteres Beispiel von 360° Videos liefert Ötztal Tourismus. Integriert auf der Website kann man zwischen verschiedenen 360° Perspektiven wählen. Die Österreich Werbung hat dazu einen eigenen Youtube Kanal gegründet.

Ein weiteres Projekt (how it works – video) zu 360° Visualisierung fand in London, beim prestigeträchtigen The Shard statt. Stellen Sie sich vor, auf Ihrer Hotel bzw. Destinationsseite könnte sich der Gast so bereits ein umfangreiches Bild vom Angebot machen.

Der Flughafen München machte jüngst mit einem Projekt von der Lufthansa und dem FC Bayern München auf sich aufmerksam. Ausgewählte Spieler des FC Bayern machten bis Ende November 2016 Übungen auf großen Videoscreens vor und kommentieren diese je nach Art der Umsetzung durch den Kunden. Hier geht es direkt zum Lufthansa Video.

In Köln beispielsweise, können Menschen via VR Brille in die Stadt eintauchen, wie sie zur Kaiserzeit ausgesehen hat. Dieses Video zeigt interessante Einblicke in die historische Fahrt. Nicht nur private Anbieter wie in Köln zeigen Möglichkeiten im Umgang mit AR auf. Einige Museen erweitern ihr Angebot von Analog zu Digital. Dieses Video zeigt beispielsweise wie das Naturhistorische Museum in Washington AR nutzt, um Besucher das Leben von Dinosauriern näher zu bringen.

AR und VR könnten auch in Aktivitäten wie zum Beispiel Wandern eingesetzt werden. Während AR anzeigt, welche Gipfel, Almen, Orte in der Nähe sind bzw. wie weit man noch zum Ziel hat, könnte VR beim Wandern eingesetzt werden, um Geschichten und Sagen zu erzählen. Somit könnte die Technologie als neue Lösung in der Ideenfindung für Produktentwicklungen gesehen werden. Jedoch ist das Sicherheitsbedenken beim Wandern mit VR natürlich noch groß. Zur Lösung des Sicherheitsbedenkens wird die VR Brille mit Sensoren ausgestattet, welche die VR Applikation beendet, wenn sich plötzlich die Trittfestigkeit ändert, oder man sich außer Balance befindet. Andreas Weigel von der Österreich Werbung meint im Interview auf der ITB 2017, dass das Angebot eine Kombination aus AR und VR sein wird und gibt die Prognose, dass VR bald im Massenmarkt ankommen wird. Die Österreich Werbung sorgte im Winter 2017 für Aufsehen mit einer virtuellen Aktion am Londoner Verkehrsknotenpunkt Kings Cross. Die Pendler London’s staunten als sich der Bahnhof in ein vurtuelles Winterwunderland verwandelte. Solche Aktionen zeigen die Vielfältigkeit an Möglichkeiten, potentielle Gäste zu inspirieren und möglicherweise Interessen zu wecken, an die sie noch gar nicht gedacht hatten.

Diese Trends verführen Menschen in eine digitale Welt, von welcher wir uns einen großen Nutzenzuwachs erwarten. Allerdings gibt es auch in digitalen Strategien oder Marketing-Kampagnen Platz für die Offline-Welt. Nach wie vor gibt es hier jede Menge Potenzial, um Kunden zu erreichen. Die Reinkarnation von Pokémon mit Go hat uns gezeigt, wie schnell Menschen sich mit Neuem aus der digitalen Welt sensibilisieren und es gut finden. Pokémon Go hat es aber auch geschafft, die digitale Welt mit der Offline-Welt zu verknüpfen und spricht den Menschen auf mehreren Ebenen an. Menschen wollen Spaß haben, ungeachtet der Altersklasse. Menschen sehnen sich nach Gesellschaft und Bewegung. Diese App hat Menschen miteinander verbunden und auf spielerische Art und Weise Erlebnisse geschaffen. Man darf gespannt sein, wie Unternehmen darauf reagieren und Strategien entwickeln, die Ähnliches schaffen, nämlich das Verbinden der Online-Welt mit unseren Hauptaktivitäten in der Offline-Welt. Ein tolles Beispiel liefert Basel Tourismus. Im Youtube Video The Revenge of the Pokémons, aber auch auf der Website findet man inspirative Momente, wie man diesen Trend touristisch nutzen kann.

Der Gegentrend zum omnipräsenten "Digital Life"

Der Gegentrend zur digitalen Welt ist die „Flucht“ in die Offline Welt, das Abschalten, mit Menschen direkt zu kommunizieren, Sport treiben, den Sonnenaufgang am Berg genießen... in Echtzeit. Diese „echten“ Erlebnisse werden von unserer Gesellschaft nach wie vor sehr geschätzt.

So bietet die Wyndam Hotel Gruppe beispielsweise mit ihrem „Reconnected“ Programm 5% Rabatt für Familien, die ihr Handy während dem Urlaub bewusst weglegen und motiviert zu gemeinsamen Familienaktivitäten im Hotelzimmer. Der Family Kit am Zimmer enthält nicht nur Ideen, sondern auch alle notwendigen Materialien für den Bau einer Deckenburg, Schattenspiele und vieles mehr.

Dies bedeutet, Unternehmen haben die Aufgabe ihre Marketingstrategien umfangreicher zu gestalten, Online UND Offline Aktivitäten zu kombinieren, um so ihre Kunden in diesem hart umkämpften Markt noch erreichen zu können und langfristige Beziehungen aufbauen zu können. All diese Möglichkeiten sind bei weitem noch nicht ausgereift und zudem ständig im Wandel. Auch Tirol muss diese Möglichkeiten andenken, abwägen und umsetzen, um nicht an Aufmerksamkeit zu verlieren.

Michael Ceipek MA

Forschungsschwerpunkt
Destinationsmanagement
Position bzw. Aufgabe
Projektmitarbeiter

Michael Ceipek hat nach seiner Matura in den Zillertaler Tourismusschulen in Florida in der Gastronomie gearbeitet. Nach seiner Tätigkeit für den TVB Stubai Tirol absolvierte er das Bachelor-Studium am MCI Tourismus. Im Juli 2016 startete er als TTR-Praktikum. Neben seinem Masterstudium “Strategic Management & Law” am MCI ist er als Projektmitarbeiter Teil des TTR Teams.

“Der TTR ist eine spannende Plattform welche sehr großes Potential aufweist. Es ist uns wichtig unsere Kompetenzen stetig weiterzuentwickeln um den TTR auf ein neues Niveau zu heben.”

Im TTR Team seit: Juli 2016

Zuständig für: Operatives, Statistik, Website, Infografiken, Umfragen & Berichte