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Bindung saisonaler Arbeitskräfte

Wie können Schneesportlehrer:innen saisonal an ihre Skischule gebunden werden?
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Im Rahmen ihrer Masterarbeit befragte Alina Gasselich über 200 Schneesportlehrer:innen zu den Einflussfaktoren der saisonalen Bindung an Skischulen.

TTR: Wieso ist das Thema für die Tiroler Tourismuswirtschaft relevant?

Alina Gasselich: Die Tourismusbranche wird seit einigen Jahren von einer hohen Mitarbeiterfluktuation geplagt. Die meisten Tourismusdestinationen sind aufgrund von Nachfrageschwankungen saisonabhängig und das führt zu einer immensen Beschäftigungskomplexität. Die saisonale Bindung von Personal hat zahlreiche Vorteile wie den geringeren Bedarf an Personalrekrutierung und höher Dienstleistungsqualität. Insbesondere alpine Destinationen haben die Auswirkungen der Saisonalität zu spüren bekommen, denn die hohe Mitarbeiterfluktuation und der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften ist zu einer der größten Herausforderungen für Betreibende geworden. Skischulen sind ein wesentlicher Bestandteil und touristischer Dienstleister des Tiroler Wintertourismus. Das Bundesland verfügt über 218 Voll- und 212 Spartenschischulen in denen ca. 7.000 Ski-, Snowboard- und Langlauflehrer:innen (ganzheitlich Schneesportlehrer:innen genannt) beschäftigt sind. Und dennoch gibt es kaum Studien, die sich primär mit Schneesportlehrer:innen als Teil der Tourismusbranche befassen. Deshalb habe ich meine Masterarbeit der Beschäftigung von Schneesportlehrer:innen und deren saisonale Bindung an Skischulen gewidmet. 

TTR: Was sind die Kernergebnisse Ihrer Arbeit und welche Bedeutung haben diese für touristische Destinationen und Betriebe?

Alina Gasselich: Für die Studie wurde ein Forschungsmodell entwickelt, um Einblicke zu erhalten, wie die Zufriedenheit mit bestimmten Indikatoren (siehe I1 – I4 in Abbildung 1) die Arbeitszufriedenheit beeinflussen. Diese wurde wiederum auf ihren Einfluss auf saisonale Rückkehrabsichten und affektives Commitment getestet. In einer ähnlichen Studie zur saisonalen Bindung von Personal in Ski Resorts gab es Unterschiede zwischen den erstmaligen Beschäftigten und den wiederkehrenden Mitarbeitenden, deshalb wurde auch dieser Faktor berücksichtigt und bei der Auswertung mit einbezogen. Die Ergebnisse der Studie zeigten jedoch keine Unterschiede zwischen diesen beiden Mitarbeitergruppen. 

Abbildung 1: Ausgewertetes Forschungsmodell der Masterarbeit

Die Zufriedenheit mit dem Management und der Führung der Skischule konnte als einziger signifikanter Indikator für die Arbeitszufriedenheit der rückkehrenden Schneesportlehrer:innen festgestellt werden. Für die erstjährigen Befragten waren für deren Arbeitszufriedenheit keine der untersuchten Indikatoren ausschlaggebend. Arbeitszufriedenheit war ein Indikator für positive Rückkehrabsichten sowie das affektive Commitment zu einer Skischule für beide Gruppen. Außerdem hatte der Indikator Gemeinschaftssinn bei beiden Gruppen die höchste Wichtigkeitsbewertung. Diese Studie unterstreicht die Bedeutung der Arbeitszufriedenheit von Arbeitskräften für deren Bindung an das Unternehmen.

TTR: Welche konkreten Handlungsempfehlungen geben Sie in Ihrer Masterarbeit?

Alina Gasselich: Zuerst sollte man sich der typischen Merkmale von Mitarbeitenden bewusst sein, denn diese können bereits Hinweise auf mögliche Bedürfnisse an den Arbeitgeber geben. Die Studie ergab eine junge Altersverteilung, bei der die 18 bis 31-Jährigen fast 95% ausmachten. Außerdem kann davon ausgegangen werden, dass viele Schneesportlehrer:innen nicht dauerhaft in der Destination ihrer Skischule sesshaft sind, denn fast 60% der Teilnehmer:innen hatten eine nicht-österreichische Staatsbürgerschaft und der am häufigsten genannte Arbeitsumfangs war eine Teilzeitbeschäftigung während des Studiums. Der Gemeinschaftssinn kann für Personen, die saisonal im Tourismus arbeiten besonders wichtig sein, da sie in der Regel nicht in ihrem gewohnten Umfeld und mit ihren Bezugspersonen leben. All diese Faktoren sollten bei der Schaffung eines Beschäftigungsumfelds berücksichtigt werden. 

Da die Analyse ergab, dass die Arbeitszufriedenheit ein Indikator für die Rückkehrabsicht und das affektive Commitment ist, empfehle ich Anbietern die Zufriedenheit mit bestimmten Indikatoren, die für ihr Unternehmen und Mitarbeitenden sinnvoll sind, zu überwachen. Das kann entweder durch regelmäßiges Feedback während der Saison oder durch Mitarbeiterbefragungen am Ende der Saison geschehen.

Insgesamt hat diese Studie den zwischenmenschlichen Charakter dieses Jobs hervorgehoben und gezeigt, wie wichtig es ist, zufriedene Mitarbeiter anzustreben, um die Bindung und das Commitment von Saisonarbeitskräften zu erreichen. Das ist für das österreichische Skischulsystem als Teil der Wintertourismusbranche von großem Wert.

Gasselich

Alina Gasselich, MA

Alina Gasselich stammt ursprünglich aus Wien und absolvierte ihr Bachelorstudium in Tourismus- und Freizeitmanagement in Krems. Danach zog sie für den Masterstudiengang „Entrepreneurship und Tourismus“ mit dem Schwerpunkt Marketingmanagement am MCI nach Innsbruck. In den Winterferien ihrer Studienzeit arbeitete Alina Gasselich als Skilehrerin in Salzburg, was sie zu dem Thema dieser Masterarbeit inspirierte. Außerdem konnte sie während ihres Masterstudiums in einem Wiener Golfreisebüro wertvolle Arbeitserfahrungen in verschieden Bereichen sammeln.

Alina Gasselich auf LinkedIn 

Masterarbeit Betreuung: Denise Fecker MSc

 

Titelbild: Tirol Werbung (Serfaus-Fiss-Ladis Marketing GmbH)

Datum: 19.01.2024