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Tirol auf Schiene

Mobilität
Derzeit reisen nur 5% der Tiroler Gäste mit dem Zug an. Diesen Anteil wollen die Projektpartner von „Tirol auf Schiene“, darunter die Tirol Werbung sowie die nationalen Bahnen ÖBB, DB und SBB bis 2020 verdoppeln. Brigitte Hainzer erzählt als Mobilitätsexpertin von den bisherigen Erfahrungen dieses Kooperationsprojektes.

TTR: Was steckt hinter dem Projekt “Tirol auf Schiene” und wie ist es entstanden?

Brigitte Hainzer: Mit dem Projekt „Tirol auf Schiene“ hatte die Tirol Werbung wiedermal einen guten Riecher, ein Thema anzugehen, mit dem sich über kurz oder lang alle Touristiker beschäftigen werden müssen.

Ein Großteil der Gäste im Alpenraum reist mit dem eigenen PKW an. Die An- und Abreise hat den größten Anteil an CO2 Emmissionen eines Urlaubs. Unsere Straßen sind zur Hauptsaison an ihren Kapazitätsgrenzen, Gäste und Einheimische sind genervt von Staus und schlechter Luft. Eine weitere Steigerung bei den Ankünften bedeutet bei gleichem Mobilitätsverhalten auch eine weitere Steigerung des Verkehrsaufkommens. Dazu kommen die Tagesausflügler und Einheimischen, die sich ebenfalls gerne in den Bergen erholen. Und da sind wir schon beim zweiten Aspekt des Themas: die Natur ist die Basis unseres touristischen Angebotes. Wird diese zerstört, werden wir nicht nur als Einheimische darunter leiden, wird das „Herz der Alpen“ auch für Einheimische an Attraktivität verlieren.

Die Tirol Werbung hat schon vor einigen Jahren begonnen, sich mit der Frage zu beschäftigen, warum nur 5 % der Gäste mit der Bahn anreisen und wo man ansetzen muss, um diese Zahlen zu steigern. Mit ÖBB, DB und SBB fand sie engagierte Partner, mit welchen sie sich im Projekt „Tirol auf Schiene“ zusammentat. Die erste Maßnahme war eine bessere Anbindung Tirols an die mitteleuropäischen Städte, so wurden Takte erhöht und Verbindungen optimiert, z.B. von Wien und München über die gesamte Inntalschiene bis an den Arlberg. Die Übernahme der Nightjet Züge und Wiedereinführung der Autoreisezüge durch die ÖBB sind ebenfalls Beispiele gelungener Maßnahmen. Die Fahrgastzahlen sind besonders von Österreich und Italien nach Tirol angestiegen und auch aus Deutschland wurden erfreuliche Steigerungen verzeichnet.

Dieses Angebot soll mehr Gäste überzeugen, künftig ihren PKW zu Hause zu lassen. Da die Gastgeber den direkten Kontakt zu den Gästen haben, wurde das „Mobilitätscoaching“ entwickelt. Seit 2015 bin ich als „Mobilitätscoach“ in den Tiroler Regionen unterwegs und informiere Gastgeber – vom großen Hotel bis zum Urlaub am Bauernhof - über Anreise, die letzte Meile und Angebote zur Mobilität vor Ort.

 

TTR: Was sind deine größten Herausforderungen als Mobilitätscoach?

Brigitte Hainzer: Die größte Herausforderung im Projekt ist es, an die Gastgeber „heranzukommen“. Deren Arbeitstag ist lang und und deren Aufgaben vielfältig. Da fragt sich natürlich manch einer „Muss ich mich jetzt auch noch um die Anreise meiner Gäste kümmern?“ und „Was will die von mir? Vielleicht etwas verkaufen?“. Bei der Terminvereinbarung für das Mobilitätscoaching sind deshalb die „Vermietercoaches“, die es mittlerweile in nahezu allen Tiroler TVBs gibt, ein wichtiger Türöffner. Ist diese Hürde genommen, kann ich nur positives berichten: die Gastgeber sind dankbar für die hilfreichen Informationen. Egal, ob sie dem Thema gegenüber sehr aufgeschlossen oder eher ablehnend gegenüberstanden, jeder konnte wertvolle Infos mitnehmen und allen wird bewusst, wie wichtig es ist, den Gästen eine Orientierung zu geben, wie man auch ohne Auto zu ihnen kommt und welche Möglichkeiten es vor Ort gibt, wenn man auch mal das Auto stehen lässt. Wer das nicht macht, lässt einen wertvollen Teil potentieller neuer Gäste „auf der Straße liegen“.

 

TTR: Wie können die Regionen und Vermietern von einem Mobilitätscoaching profitieren?

Brigitte Hainzer: Im Laufe der mittlerweile 3 Jahre, die ich nun als Mobilitätscoach unterwegs bin, konnte ich ein umfangreiches Wissen aufbauen, das ich gerne weitergebe. Es geht im ersten Schritt ums Sichtbarmachen, also darum, die Mobilitätsangebote aufzubereiten und an die Vermieter weiterzugeben. Im Austausch vor Ort werden häufig aber auch Schwachstellen aufgedeckt und Ideen von Gastgebern eingebracht. Diese Infos werden wiederum an die Partner - Tirol Werbung, TVB, Bahnpartner und den VVT bzw. IVB zurückzugeben und dienen zur Weiterentwicklung und weiteren Optimierung des Angebotes.

Dadurch, dass mittlerweile ein Großteil der Tiroler TVBs beteiligt sind, entsteht auch ein Austausch untereinander – erfolgreiche Ideen und Erfahrungen werden geteilt und Themen anzugehen, welche die Region selbst auch nicht lösen kann, können auf höherer Ebene angegangen werden.

Brigitte Hainzer

Brigitte Hainzer, Mobilitätscoach

Brigitte Hainzer ist selbständige Unternehmensberaterin für Kommunikation & Werbung im Tourismus. Sie berät Tourismusorganisationen im alpinen Raum, darunter die Tirol Werbung, SalzburgerLand Tourismus, IDM Südtirol, Bayern Tourismus Marketing oder Allgäu Tourismus. 

Nach ihrem Abschluss am Tourismuskolleg Innsbruck sammelte sie zahlreiche Erfahrungen in der Freizeit-, Kultur- und Sportbranche. In den letzten Jahren widmet sie sich auch verstärkt den Themen Mobilität, Gesundheit, Wellness und Natur.