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Der Tourismus in Ketten

Was ist die Blockchain Technologie und wie könnte sie den Tourismus beeinflussen?
Source: Fabio - Unsplash
Während kontinuierlicher technologischer Fortschritt und digitaler Wandel in unseren Systemen und unserer Gesellschaft Einzug hält, können diese wichtigen und oft bürokratischen Einrichtungen nicht mit zeitgemäßer Regulierung mithalten. Dabei entstehen oft Situationen, begleitet von ineffizientem Handeln dieser Institutionen und schwindendem Vertrauen von Menschen in diese Institutionen.

Transaktionen, Verträge und die Aufzeichnungen dieser definieren unsere wirtschaftlichen, rechtlichen und politischen Systeme. Die Aufgaben sind das Beschützen von Eigentum, die Etablierung von Vertrauen, Verifizierung von Identität und das Steuern bzw. Überwachen von Interaktionen zwischen Menschen, Staaten, Organisationen, etc. Seit der Weltwirtschafts- und Finanzkrise - ausgelöst im Jahre 2007 - verstärkte vor allem das Entstehen von digitalen Währungen wie Bitcoin die Diskussion über Möglichkeiten von virtuellen Transaktionen. Bitcoin ist eine digitale Währung, welche auf der Blockchain Technologie beruht und sich mit 100%iger Sicherheit und Schnelligkeit bei Geldtransaktionen rühmt. Bitcoin löst vor allem jenes Problem, das digitale Währungen seit Beginn der Erforschung von virtuellem Geld (z.B. B-Money and BitGold 1998) begleitet: „Wie verhindert man, dass digitales Geld zweimal ausgegeben werden kann, lassen sich doch alle Daten beliebig kopieren?“. Blockchain bietet die Technologie, um dieses Problem zu lösen. Die Blockchain ist eine sogenannte „distributed database“, was so viel bedeutet wie eine verteilte Datenbank, welche sich über die Nutzer verteilt. Der ausschlaggebende Punkt ist, dass die Speichergeräte der Daten nicht mit einem zentralen Speichergerät zusammenhängen. Die verteilte Datenbank liegt auf jedem Speichergerät der Nutzer und benutzt Kryptographie um die Daten zu verschlüsseln. Gespeichert werden die Daten in Blöcken, welche bei jeder neuen Transaktion entstehen, mit Referenz und Zeitangabe zum vorherigen Block. Die Kryptographie stellt sicher, dass jeder Nutzer nur mit seinem privaten Schlüssel die Daten besitzen und verändern kann. Stellen Sie sich ein digitales Krankenblatt vor, wo jeder neuer Eintrag ein neuer Block ist. Jeder Block verfügt über einen Zeitstempel und wird gespeichert. Das Design von Blockchain verhindert eine Änderung dieses Eintrages durch Dritte. Die persönlichen Daten sind nur vom Doktor und dem Patienten einsehbar, der über den privaten Schlüssel verfügt. Jeder Dritte müsste für einen Einblick in diese Daten den privaten Schlüssel besitzen. Ein weiteres Beispiel für die Einsetzbarkeit wird in einem Artikel der Der Zeit beschrieben. Der Verantwortliche für Lebensmittelsicherheit beim Einzelhandelsriesen Walmart zeigt darin, wie Blockchain die supply chain sicherer und transparenter macht. Für Walmart spricht die Adaption auch dafür, dass damit die Logistik verbessert und Betrug vermindern werden kann. Im Gebiet supply chain wird vor allem bei IBM in Blockchain investiert. Ein weiteres Beispiel aus den USA zeigt, wie Forschungsergebnisse fälschungssicher in einer Blockchain dokumentiert und Aufsichtsbehörden und Unternehmen zur Verfügung gestellt werden. Blockchain ist somit nicht nur im Finanzwesen einsetzbar, sondern könnte im Wesentlichen neue Möglichkeiten in anderen Branchen schaffen.

Große Ziele vor Augen hat Dubai. Die Stadt möchte die smarteste Stadt der Welt werden, unterstützt durch die Blockchain Technologie. Bis 2021 sollen alle Prozesse adaptiert und die komplette Verwaltung digital abgewickelt werden. Eine weitere Maßnahme ist die Initiative „One Million Arab Coders“. Diese Initiative ermöglicht Interessenten aus dem gesamten arabischen Raum kostenfreien Zugang zu Programmierkursen und Weiterbildungen.

 

Hier eine grobe Zusammenfassung wie Blockchain funktioniert:

Quelle: Eigene Darstellung basierend auf: Havard Business Review (2017): The Truth about Blockchain, https://hbr.org/2017/01/the-truth-about-blockchain

Lufthansa und TUI als Vorreiter im Tourismus

Die Blockchain Technologie wird im Tourismus bereits eingesetzt bzw. gibt es einige Projekte in den Startlöchern. Diese stammen meist von Start Ups in Kooperation mit namhaften und etablierten Unternehmen wie Lufthansa, TUI oder Accenture. Die Kooperation zwischen dem Schweizer Start Ups Winding Tree und Lufthansa setzt sich zum Ziel, einen Blockchain basierten Marktplatz aufzubauen, welcher den Anforderungen der Luftlinie gerecht wird. Damit will man Reisen für den Endkunden billiger und für Anbieter profitabler machen. Mit dem Aufbau dieses Marktplatzes möchte Lufthansa den starken Wettbewerb durch Zwischenhändler umgehen und Reisen direkt anbieten. Das sollte für den Endkunden mehr Transparenz und Effizienz sowie weniger Zusatzkosten durch Vermittler bedeuten. Das Projekt ist allerdings noch am Beginn und derzeit wird die Skalierbarkeit und Effizienz der Plattform geprüft. Ein ähnliches Ziel verfolgt TUI mit seinem Vorstoß mit der Blockchain Technologie. TUI baut dabei auf Ethereum als Provider. TUI möchte die Daten der Hotels verwenden, um einen globalen Überblick über die Echtzeitauslastung zu bekommen und leere Plätze besser, schneller und gezielter vermarkten zu können. Die Software-Änderungen bei den TUI Mitglieder werden minimal sein und Kunden würden es kaum bemerken. Damit lassen sich Kosten sparen. Ein weiteres Ziel der Aktion ist es, die Machtposition von Vermittlern wie booking.com, Expedia & Co zu minimieren. Allerdings bemerken Kritiker, dass Blockchain alleine kein Anziehungspunkt für Kunden ist und es deshalb nicht einfacher wird, die Dominanz von booking.com etc. zu brechen.

Vielversprechende Felder für den Einsatz der Blockchain Technologie im Tourismus sind Datensicherheit und Stabilität. Die dezentrale Natur der Technologie bedeutet das Informationen nie offline gehen können und immer aufrufbar sind. Die Natur des Reisens verlangt von einem Kunden sehr oft die Angabe von persönlichen Daten an Institutionen und Unternehmen die zumeist auch weitergegeben werden (müssen). Die Blockchain Technologie kann hier verlässlich Informationen aufbewahren und schützen.

 

Es gibt ein Vielfaches an weiteren Möglichkeiten, wie die Blockchain Technologie im Tourismus und in anderen Branchen eingesetzt werden. Das Potential dieser Technologie ist laut Experten riesig aber steckt noch in den Kinderschuhen. Zusammenfassend ergeben sich aus der Recherche für den Tourismus bereits einige gute Beispiele, wie Blockchain im Tourismus eingesetzt werden kann.  Die wichtigsten Möglichkeiten sind das tracking von Reisegepäck, Identifizierung neue und sichere Zahlungsverfahren oder Kundenzufriedenheitsprogramme. Mit Onlinebewertungen könnte Blockchain einen weiteren Bereich beeinflussen. Das dezentrale System könnte das Schummeln bei Bewertungen verhindern und authentischer machen.

Blockchain - Bereits out of date?

Die Blockchain Technologie wirkt auf den ersten Blick sehr vielversprechend und von großem Nutzen für den Menschen, allerdings gibt es einige Kritikpunkte. An erster Stelle steht wie immer bei neuen Technologien, dass sie wenige Menschen verstehen. Obwohl es in einigen Bereichen für Furore sorgt, gibt es natürlich auch kritische Stimmen, die behaupten, dass wir diese Technologie gar nicht benötigen weil sich in den letzten 10 Jahren kaum Anwendungsmöglichkeiten gefunden haben. Dem entgegenzubringen ist, dass es oft Jahrzehnte dauert, bis neue Technologien für die Masse nutzbar sind. Andere behaupten, Blockchain sei eine technologische Lösung, die nach einem Problem sucht. Es sollte nicht darum gehen, die Technologie zwanghaft überall einzusetzen, sondern abzuwägen ob die Technologie in bestimmten Bereichen Sinn macht. Bestehende Regularien stehen konträr zu manchen Eigenschaften von Blockchain. Zum Beispiel gilt in der EU „the right to be forgotten“, was bedeutet ich kann veranlassen, dass meine digitale Historie gelöscht wird. Etwas Unmögliches in der Blockchain, da jede Transaktion gespeichert, verschlüsselt und nicht änderbar ist. Neben den genannten Problemen gilt es auch über Nachhaltigkeit nachzudenken. Das Bitcoin Netzwerk zum Beispiel arbeitet aufgrund des hohen Energieverbrauch noch sehr ineffizient. Neben großen öffentlichen Netzwerken kann die Blockchain auch für kleine, private Netzwerke eingesetzt werden. Beispielsweise für Geschäftspartner, Datenplattform für Unternehmen etc. Es bleibt abzusehen, wohin sich Blockchain entwickelt. Während Bitcoin und Ethereum die 1. bzw. 2. Generation darstellt, wird bei Blockchain bereits von der 3. Generation gesprochen. Das Start Up IOTA verspricht die Zukunft von Blockchain zu sein. Das Ziel ist es Internet of Things mit einer neuen Technologie namens Tangle zu verknüpfen. In diesem Video wird Tangle einfach erklärt. IOTA adressiert vor allem das Problem der Skalierbarkeit, wird aber in der Hinsicht kritisiert, dass es Sicherheitslücken aufweist und das Netzwerk noch sehr klein ist. An vielen der aufgezeigten Probleme von Blockchain wird derzeit gearbeitet. Daher bleibt es abzuwarten, inwieweit es nachhaltig skalierbar wird. Während in Foren, Fachzeitschriften und Wissenschaft über die Auswirkungen, Usability, Probleme etc. diskutiert wird, arbeiten Start Ups und große Firmen weiter daran, die Blockchain Technologie laufend zu verbessern. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit bis es neue „Killer-Applikationen“ für die Blockchain Technologie gibt, die es schaffen werden, ganze Branchen zu zerstören. Vielleicht sind es ja im Endeffekt doch wieder Google, Amazon, Microsoft, IBM etc. die mit Blockchain oder anderen Technologien ihre Monopolstellungen verfestigen und als Sieger vom Platz gehen. Im Tourismus arbeiten bis dato meist große und etablierte Unternehmen mit Start Ups oder alleine an der Blockchain Technologie. Die Innovationskraft hängt stark von den Kapitalmöglichkeiten ab und ist in kleinstrukturierten Tourismus begrenzt, daher müssten sich in diesen Sphären Netzwerke bilden, die gemeinsam an Lösungen arbeiten und natürlich die Sinnorientierten Fragen beantworten.

 

Michael Ceipek MA

Forschungsschwerpunkt
Destinationsmanagement
Position bzw. Aufgabe
Projektmitarbeiter

Michael Ceipek hat nach seiner Matura in den Zillertaler Tourismusschulen in Florida in der Gastronomie gearbeitet. Nach seiner Tätigkeit für den TVB Stubai Tirol absolvierte er das Bachelor-Studium am MCI Tourismus. Im Juli 2016 startete er als TTR-Praktikum. Neben seinem Masterstudium “Strategic Management & Law” am MCI ist er als Projektmitarbeiter Teil des TTR Teams.

“Der TTR ist eine spannende Plattform welche sehr großes Potential aufweist. Es ist uns wichtig unsere Kompetenzen stetig weiterzuentwickeln um den TTR auf ein neues Niveau zu heben.”

Im TTR Team seit: Juli 2016

Zuständig für: Operatives, Statistik, Website, Infografiken, Umfragen & Berichte

Source: Unsplash - Hitesh Choudhary