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Reiseabsichten für den Winter 20/21

Wie sich die Pandemie auf die Urlaubspläne der Deutschen und ÖsterreicherInnen für Herbst und Winter auswirkt
Tirol Werbung Serfaus
Die Planung des Winterurlaubs ist aufgrund der Covid-19-Pandemie unsicherer als je zuvor. Wir haben uns aktuelle Studien angeschaut, die untersuchen, wie sich die Entwicklungen auf die tatsächlichen Reiseabsichten der Deutschen und ÖsterreicherInnen für den anstehenden Winter auswirken.
04.11.2020

Anfang 2020 waren die Reiseabsichten der Deutschen hoch. Laut der Deutschen Reiseanalyse 2020 hatten 40% der Deutschen im Januar 2020 bereits feste Pläne, 31% zumindest eine positive Reiseabsicht mit noch offenem Ziel. Die Aussichten auf das Reisejahr 2020 waren gut und Covid-19 wurde als möglicher Dämpfer der Buchungszahlen betrachtet, jedoch nicht als größere Hürde eingestuft. Mitte März stand die Welt dann Kopf. Nachdem zum Sommerbeginn die europäischen Grenzen weitestgehend für den innereuropäischen Reiseverkehr wieder geöffnet wurden, konnten Urlaubsreisen unter bestimmten Hygiene- und Sicherheitsvorschriften zumindest innerhalb Europas stattfinden. Die Entwicklung der Übernachtungen in der Sommersaison 2020 in Tirol im Vergleich zum Vorjahr finden Sie hier.

Reisewarnungen & Unsicherheit im Herbst 2020

Mit dem Herbst zog jedoch auch der Zuwachs der Positiv-Testungen nicht nur bei uns ins Land (Covid-19-Dashboard Land Tirol, ÖW Dashboard - Aktuelle Covid-19 Situation). Als Folge dieses Anstiegs wurde am 25.09.2020 von Deutschland erneut eine Reisewarnung für Tirol ausgegeben, die sich wiederum auf die Buchungen in den Herbstferien auswirkte. Seit dem 24.10.2020 gilt laut RKI gesamt Österreich als Risikogebiet. Somit ist das derzeitige Urlaubsziel Nr. 1 der Deutschen (s. YouGov-DestinationIndex durch die Wirtschaftswoche) nun für Deutsche nicht ohne anschließende 10-tägige Quarantäne und Testung bereisbar. Die Konsequenzen dieser Reisewarnung sind die Stornierungen und kaum Buchungen in den Tiroler Hotels überwiegen. Für den Tiroler Tourismus ist somit der wichtigste Quellmarkt für den kommenden Winter gefährdet.

Zum 03.11.2020 beginnt in Österreich ein zweiter Teil-Lockdown - geschlossene Beherbergungsbetriebe und Seilbahnen machen Skiurlaub derzeit auch für ÖsterreicherInnen unmöglich. Unklar ist, wann mit sinkenden Infektionszahlen gerechnet werden und damit auch, ob der Wintertourismus noch vor Weihnachten starten kann.

Wie steht es nun mit der Reiselust und -planung der Deutschen und ÖsterreicherInnen? Wir haben uns die aktuellen Studien und Umfragen in Deutschland/Österreich/Europa angeschaut. Trotz der dynamischen Situation überwiegt bei vielen vor allem eines - der Wunsch zu Reisen, zumindest im eigenen Land oder im Nachbarland. 

 

YouGov-Umfrage

31% der deutschen WintersportlerInnen planen aufgrund von Covid-19 keinen Wintersport-Urlaub

Befragung von deutschen WintersporturlauberInnen (Befragungszeitraum: 12.-14.10.2020)

Nach repräsentativen Ergebnissen des Markt- und Meinungsforschungsinstituts YouGov hat jede/r dritte deutsche WintersportlerIn bereits beschlossen, in diesem Winter keinen Wintersport-Urlaub mehr zu planen.

  • 14% der WintersportlerInnen planen Wintersport-Urlaub mit Anpassungen an die aktuelle Situation, 13% wollen die Entwicklungen noch abwarten und lediglich 8% halten an ihrer ursprünglichen Planung fest. 
  • Sollte eine Urlaubsregion zum Corona-Risikogebiet erklärt werden, würden 45% der befragten WinterurlauberInnen ihren geplanten Urlaub nicht antreten. Bei der Möglichkeit eines kostenlosen Corona-Tests nach Reiserückkehr würden 21% der Befragten ihren Urlaub im Risikogebiet trotzdem antreten. Insgesamt würden sich 64% der WintersporturlauberInnen freiwillig nach ihrem Urlaub testen lassen. 
  • Hygienevorkehrungen und Personenbegrenzungen in Restaurants, Skibussen und Gondeln werden vom Großteil der Befragten für ihren Wintersport-Urlaub gefordert (70-80%). 
  • Über die Hälfte der befragten WintersporturlauberInnen, die Österreich grundsätzlich für ihren Winterurlaub bevorzugen, würden auch gerne in der kommenden Wintersaison ihren Winterurlaub dort verbringen. 

Den gesamten Beitrag der YouGov-Studie finden Sie hier.

 

trend Wirtschaftsmagazin

Skiurlaub mit Übernachtung wird von 6% der ÖsterreicherInnen geplant

Befragung von österreichischen WintersporturlauberInnen (Befragungszeitraum: Herbst 2020)

Das market-Institut hat für das österreichische Wirtschaftsmagazin trend eine repräsentative Befragung von ÖsterreicherInnen durchgeführt, um die Absichten der ÖsterreicherInnen bzgl. eines Skiurlaubs im eigenen Land für den Winter 20/21 abzufragen. 

  • 39% der Befragten gab an, normalerweise mehrtägigen Skiurlaub in Österreich zu machen. Von diesen gaben 18% an, "sicher" und 22% "vermutlich" auf ihren Skiurlaub zu verzichten. 
  • Mit Blick auf den anstehenden Winter haben nur 6% aller Befragten vor, Skiurlaub mit Übernachtung zu machen. Tagesskiausflüge werden von 14% in Erwägung gezogen.
  • Bezüglich der Schutzmaßnahmen werden MNS in Seilbahnen von 64% sowie Abstände beim Lift Anstehen von 62% als "sehr wichtig" betrachtet. 

Den gesamten Artikel des trend-Magazins finden Sie hier.

 

Österreich Werbung & Deutsche Reiseanalyse

10% der Deutschen wollten im nächsten Halbjahr nach Österreich reisen

Befragung in Deutschland und Österreich (Befragungszeitraum: 7.-22.09.2020)

Im Auftrag der Österreich Werbung und der Deutschen Reiseanalyse wurden von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) und dem Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT) Personen in Österreich und Deutschland zu ihren Reiseplänen befragt.

  • Den Ergebnissen zufolge wollen 58% der ÖsterreicherInnen im Herbst/Winter 20/21 verreisen, davon zwei Drittel innerhalb Österreichs. Auch von den Deutschen möchte über die Hälfte (55%) verreisen, davon 10% nach Österreich. 
  • Im Hinblick auf das Frühjahr und den Sommer 2021 wächst die Reiselust - 80% der Österreicher und 68% der Deutschen möchten dann verreisen.
  • Das Buchungsverhalten wird laut dieser Studie vor allem durch die Rahmenbedingungen und Restriktionen der Pandemie beeinflusst. Die Angst vor einer Quarantänepflicht nach dem Urlaub sowie die Frage, ob bei einer Stornierung das Geld zurückerstattet wird, hemmen die Reiseplanung stark. Insgesamt führt dies zu kurzfristigeren Buchungen in der kommenden Zeit - wie man dies auch bereits in den Sommermonaten sehen konnte. Fördernde Buchungsfaktoren werden in einer Geld-Zurück-Garantie im Stornofall, Hygienekonzepten und Rückreisegarantien gesehen. 

Die kompletten Studienergebnisse können hier vom heimischen Tourismus und TouristikerInnen angefordert werden.

 

St. Elmo's Zukunftsstudie

Die aktuellen Buchungszahlen sind gering, die Buchungsabsichten jedoch hoch 

Befragung von Gästen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, den Niederlanden, Belgien, Tschechien und Polen (Befragungszeitraum: September 2020)

Unter dem Titel Zukunftsstudie Wintertourismus hat die deutsche Agentur Saint Elmo's Tourismusmarketing gemeinsam mit dem ETI (Europäisches Tourismus Insitut), ProjectM und Kohl & Partner eine mehrdimensionale Studie zu acht europäischen Herkunftsmärkten durchgeführt. 

  • Im Altersvergleich ist mit 26% die Gruppe der 18-29-Jährigen die größte Gruppe, die im Winter verreisen möchte. Die wichtigsten Bewegungsformen sind dabei Skifahren, Winterwandern und Rodeln. Für die Buchungsentscheidung relevant sind insbesondere die Hygiene- und Sicherheitsvorkehrungen im Urlaubsgebiet. Für 64% der Deutschen und 62% der ÖsterreicherInnen sind diese sehr wichtig bis wichtig. 
  • Aus Anbieterperspektive waren zudem die Ergebnisse zum Reisebudget relevant, welches bei 59% ähnlich hoch sei wie im Vorjahr und bei 25% sogar größer, da 2020 weniger Reisen durchgeführt wurden. Um die 10% der Befragten weist ein geringeres Budget im Vergleich zum Vorjahr auf.
  • Neben der Gästeperspektive wurden in dieser Studie auch die Gastgeberperspektive und die Destinationsperspektive beleuchtet. 

Die gesamte Studie kann hier kostenpflichtig bestellt werden.

 

Prodinger-Prognose für Österreich

Winter 2020/21 wird 45% unter dem Nächtigungsniveau liegen 

Prognoseberechnungen für das österreichische Beherbergungswesen (Stand September 2020)

Die österreichische Tourismusberatung Prodinger hat im September 2020 eine Prognose der wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID-19-Krise auf die österreichischen Beherbergungsbetriebe für die Wintersaison 2020/21 veröffentlicht. Unter drei unterschiedlichen Szenarien (Best Case, Bad Case, Worst Case) werden Umsatz- und Nächtigungsprognosen simuliert. 

  • Das Prodinger Worst-Case-Szenario beschreibt einen Wiederanstieg der Neuinfektionen, die Corona-Ampel auf Rot, die Einstufung als Risikogebiets durch das deutsche RKI - eben jenes Szenario, indem sich Österreich aktuell befindet (Stand 04.11.20).
  • In der Schlussbemerkung des Studienberichts wird gewarnt: "Würde der beschriebe Worst-Case für den Winter 2020/21 eintreten, so hieße das, dass die Hotellerie mit einem Nächtigungseinbruch von fast 40% gegenüber einem Regelwinter und einem Rückgang von 25% gegenüber dem letzten Corona-Winter (Ausfall von eineinhalb Monaten) zu rechnen hätte." Weiterhin wird prognostiziert, dass das Worst-Case-Szenario einen Einkommensverlust von 34% mit sich bringen werde, welcher betriebswirtschaftlich nicht mehr zu verkraften sei.

Hier finden Sie die gesamte Prognose mit allen Szenarien.

 

Fazit

Die hier vorgestellten Trends und Daten stammen aus dem Zeitraum September/Oktober 2020 und stellen somit eine Momentaufnahme dar. Bezüglich der Reiseabsichten wurden Studien betrachtet, in deren Rahmen zunächst explizit WintersportlerInnen (YouGov & trend Wirtschaftsmagazin) und des Weiteren allgemein deutsche und österreichische UrlauberInnen befragt wurden (Österreich Werbung/Deutsche Reiseanalyse & St. Elmo’s).

Aufgrund der hohen Dynamik des Pandemiegeschehens herrschen sowohl auf Anbieter- als auch auf Gästeseite große Unsicherheiten bzgl. Reisen in der anstehenden Wintersaison. Insgesamt lässt sich dennoch eine grundsätzliche Reiselust beobachten. Somit ist mit wachsenden Reiseabsichten und Buchungen zu rechnen, sobald es die Rahmenbedingungen zulassen. Die Möglichkeit einer „Frei-Testung“ und das Umgehen einer Quarantäne nach dem Urlaub erhöht die Wahrscheinlichkeit zu einer Reiseentscheidung. Insgesamt werden von den UrlauberInnen klare Hygienekonzepte, Abstandsregelungen wie Personenbegrenzungen und flexible Stornomöglichkeiten als besonders wichtig angesehen.

 

Zum Thema Tourismus & Covid-19 finden Sie nachfolgend weitere spannende Studien und Prognosen, die im Jahr 2020 erstellt wurden:

  • Analyse von Mobilfunk- und Verkehrsdaten: Mobilität während der Pandemie von Tagesspiegel und Teralytics (23.10.2020)
  • Befragung in 11 Ländern bzgl. Reiseintentionen ab Sommer 2020: Future of Travel von Ipsos/Europ Assistance Barometer - Global Results (30.07.2020)
  • "Die Vitalisierung des Tourismus hat begonnen" Recovery-Check vom Kompetenzzentrum Tourismus des Bundes - 3 Szenarien (DE) (07.07.2020)

 


Titelbild by Tirol Werbung

Denise Fecker MSc

Forschungsschwerpunkt
Wintersporttourismus, Leadership, Organizational Commitment, New Work
Position bzw. Aufgabe
PhD Studentin

Denise Fecker hat ihren Bachelor in "Mehrsprachige Kommunikation" sowie den Master "Markt- und Medienforschung an der TH Köln absolviert. Zudem hat sie praktische Erfahrung in einem Kölner Marktforschungsinstitut gesammelt und arbeitet nebenher als Skilehrerin.

"Der TTR als Gesicht der Tiroler Tourismusforschung bringt allen Tourismus-Interessierten spannende Einblicke in aktuelle Themen in ganz Tirol. Um für Tiroler Entscheidungsträger stets fundiertes Wissen bereitzustellen, steht der TTR im ständigen Austausch mit Praxis und Wissenschaft, sodass es immer wieder Neues zu entdecken gibt."

Im TTR Team: seit August 2020

Zuständig für: Inspiration & Tourismusforschung